Ethnozentrische Reaktion auf Unterschieden im Interkulturellen Project-Team
Wenn Menschen in sog. „kulturellen Überschneidungssituationen“ Kontakt mit Individuen anderer Kulturen kommen, beobachten Sie Unterschiede in der Kleidung, der Art, wie sie sich bewegen und sich verhalten, wie sie sprechen und in vielem mehr. Dies geschieht vor allem in unserer multikulturellen Gesellschaft, in der die uns befremdenden Ausländer, Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund sich in der Minderheit befinden und in unserer Gesellschaft rechtlich, ökonomisch und sozial benachteiligt sind. Viele Einheimische reagieren in kulturellen Überschneidungssituationen zuerst einmal ethnozentrisch, wenn nicht sogar diskriminierend. In anderen Worten, die nutzen ihre eigene Gruppe und Kultur als den Standard und tendieren dazu, den Anderen, sobald er nicht als Mitglied der eigenen Gruppe erkannt wird, negativ zu werten und womöglich zu benachteiligen.
Rolle der eigenen Kultur beim Ethnozentrismus Im Internationalen Project-Team
Unsere eigene Kultur und In-Gruppe gibt uns den kognitiven Rahmen vor, mit dem wir über die Welt denken, werten und urteilen. Es ist eine Weltanschauung, die uns erlaubt, das einzuordnen, was um uns herum vorgeht. Für die Menschen, die nur ihre Kultur kennen und darin aufgewachsen sind, gibt es nur eine unhinterfragte Weltanschauung. Für sie ist es selbstverständlich, diese Weltanschauung als Standard für die Beurteilung allen Verhaltens, auch das von Fremden, zu nutzen. Menschen überall auf der Welt machen das so.
Ethnozentrisches Verhalten im Interkulturellen Project-Team
Wer ethnozentrisch ist, neigt dazu
1. das, was in seiner eigenen Kultur und Gruppe vorgeht, als „normal“ „natürlich“ und „richtig“ anzusehen, und das, was in anderen Kulturen oder Gruppen passiert, als „unnatürlich und „Falsch“ zu definieren
2. die Normen, Gebräuche und Werte seiner Gruppe als universal gültig, d.h. als gültig für jeden Menschen zu sehen
3. Xenophobe Haltungen, negative Klischees und Stereotype, Vorurteile und rassistisch-überhebliche Einstellungen und Verhaltensweisen zu haben
4. zu glauben, dass es natürlich ist, den Mitgliedern seiner Gruppe zu helfen und mit ihnen zu kooperieren,
5. sich stolz zu fühlen, ein Mitlied der Gruppe zu sein
6. Misstrauen und Feindseligkeit gegenüber Außenseiter zu empfinden und sie zu stigmatisieren, marginalisieren und diskriminieren.
Welche sind Konsequenzen solches Verhalten im Interkulturellen Project-Team?
Eine Konsequenz hat mit der Verständigungsproblematik zu tun: sie geht mit Nicht- Verstehen, Ängsten, Ekel, Vorurteilen und Rassismus einher und resultiert in der Verweigerung der Anerkennung der ungleichen Besonderheit des Anderen. Die langfristige Lösung dieser Problematik geht nur über die Anerkennung der besonderen Identität des Fremden. Dies kann nur über Kommunikations- und Lernprozessen geschehen, in der wir uns, so hofft man, besser verstehen können.
Die zweite Konsequenz hat mit Diskriminierung zu tun. Sie zeigt sich in dem verminderten Recht auf Zugang zu / und geringeren Versorgung und Ausstattung mit den Privilegien und gesellschaftlichen Gütern, die wir als selbstverständlich für uns betrachten. Hierher gehören auch die geringeren Handlungschancen in Bildung und Beruf und die ungleiche Behandlung und Benachteiligung durch Einheimische und deutsche Institutionen.
Jede kulturelle Regelverletzung wirkt nicht einfach nur unverständlich, sie löst heftige Emotionen wie Ablehnung, Angst, Empörung Ekel und Feindseligkeit aus. Dieser Satz von Emotionen wird oft als Xenophobie bezeichnet, als das Misstrauen bzw. die Angst vor dem Fremden, die bis zu dessen aktiver Ablehnung gehen kann: Fremdenfurcht, Fremdenfeindschaft, Fremdenhass.
Soziale Vorurteile sind in der Regel negative oder ablehnende, meist emotional geladene Einstellungen den Menschengruppen gegenüber, denen man nicht angehört. Diesen Gruppen werden infolge stereotyper Vorstellungen (= verkürzte und vereinfachte Bilder über Angehörige fremder Kulturen) moralisch fragwürdige Eigenschaften von vornherein zugeschrieben. Eine weitere Quelle von Vorurteilen sind Ignoranz und die kritiklose Übernahme von Vorurteilen von Autoritäten und Medien. Vorurteile lassen sich aufgrund ihrer gefühlsmäßigen Ladung selbst bei widersprechender Erfahrung nur schwer korrigieren (s.a. Albert Einstein: “Es ist leichter einen Atomkern zu spalten als einVorurteil”). Sie sind typisch für alle sozialen Gebilde, in denen ein Zugehörigkeitsgefühl, ein gemeinsames “Wir” – Bewusstsein (z.B. “wir Deutsche”) entstehen konnte. Dabei gelten die eigenen Normen und Lebensweisen als normal und werden nicht hinterfragt; sie werden als richtig, natürlich und sinnvoll akzeptiert. Die Lebensweisen der Fremden hingegen werden als irritierend, negativ und bedrohlich betrachtet. Den Fremden werden in der Folge die Eigenschaften zugeschrieben, die meist das Gegenteil von dem sind, was die Ingroup als positiv an sich sieht (“die faulen Ausländer – die fleißigen Deutschen”). Vorurteile definieren und stabilisieren somit die eigene Gruppenidentität und erlauben die Grenzziehung zu fremden Kulturen.
Was kann dagegen tun? Förderung der Interkulturellen Handlungskompetenz und Kommunikation:
Ein Ansatz, neben der bewussten interkulturellen Begegnung, die das Verstehen fördert, wäre die Interkulturelle Bildung mit dem Ziel der interkulturellen Kompetenz. Hier geht es um die dauerhafte Fähigkeit, mit Angehörigen anderer Kutlruen erfolgreich und kultursensibel interagieren zu können, was durch interkulturelles Lernen erreicht werden soll. Entschuldigen Sie bitte, wenn ich jetzt auf den Begriff des interkulturellen Lernens, das oft durch entsprechende Bildungsarrangements angestrebt wird, nicht weiter eingehen kann. Mir geht es mehr um das mit Kommunikation und mit interkulturellem Lernen erwünschte Ziel: die interkulturelle Kompetenz. Erwünscht ist eine multikulturelle Persönlichkeit mit einem Set von Fähigkeiten, die es der Person ermöglicht, in jeder kulturellen Überschneidungssituation unabhängig und kultursensibel zu handeln (vgl. Leenen u,.a., S. 39).
- Empathiefähigkeit: Fähigkeit das Handeln der Fremden im Kontext ihrer Wertvorstellungen, Lebensbedingungen und historischer Erfahrung zu deuten Wissen über andere Kultur und Infragestellung der eigenen Kultur Vertrautheit mit verschiedenen Deutungssystemen Verständnis, Verstehen, Verständigung (Dialog), Respekt, Akzeptanz, Wertschätzung, Integration der Unterschiede Lernen, die Welt aus der Sicht der Anderen zu sehen, bzw. wie Menschen sich selbst sehen.
- Ambiguitätstoleranz
- Breites Verhaltensrepertoire und Kommunikations- und Sozialkompetenz
- Überwindung von Vorurteilen und negativer Stereotype, keine Arroganz und
Überheblichkeit
- Selbstreflexion, Selbsterfahrung, differenzierte Selbstwahrnehmung
Als Vorteil kann man Interkultureller Synergy-Effekt nennen, welcher durch interkulturelle Handlungskompetenz, Soziale Kompetenz und Interkulturelle Kompetenz entstehen kann. Diese kann führen dazu, dass hohe individuell Produktivität ensteht, welche eine mittelbare possitive Wirkung auf die gesamte Teams- und Unternehmensproduktivität haben kann.
Félix C. Poudeu